Qualifizierung in Kurzarbeit

Ein Projekt der PersonalTransfer GmbH

Qualifizierung in Kurzarbeit

Kurzarbeit - eine teure Zwischenlösung?

März 25th, 2009 · Keine Kommentare

von Prof. Dr. Hans-Jürgen Weißbach ; xing, jobpromoter-Gruppe vom 24.03.2009
 Im Februar 2009 befanden sich etwa 160.000 Arbeitnehmer in einer durch die BA geförderten beruflichen Weiterbildung, das waren gerade einmal 13 % mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden (im Januar 2009) fast 300.000 neue Fälle von Kurzarbeit angezeigt, das sind mehr als 10mal so viele wie im Januar des Vorjahres. Der Bestand beträgt an Kurzarbeitern beträgt mittlerweile fast 700.000.

Zwar liegt noch keine Statistik über die Inanspruchnahme von Weiterbildung durch Kurzarbeiter bzw. ihre Arbeitgeber vor, doch Experten schätzen den Anteil der derzeit in Weiterbildung befindlichen Kurzarbeiter auf maximal 5 bis 6 %. Das heißt, einige 100.000 Menschen in Deutschland haben - z.T. schon seit Monaten - viel freie Zeit gewonnen, ohne eine von der BA bezahlte Qualifizierung zu nutzen oder nutzen zu können.

Wenn die Kurzarbeit mehr und mehr in betriebsbedingte Kündigungen übergeht - das wird schätzungsweise ab 1. Juli der Fall sein und dann verstärkt ab Winter, wo mit einer Halbierung Kurzarbeit gerechnet wird - wird sehr viel Zeit vergangen sein. Und es werden hohe Reserven der BA aus den Beitragsmitteln der vergangenen “fetten Jahre” abgeflossen sein, ohne dass bis dahin nennenswerte Qualifizierungsaktivitäten stattgefunden haben.

Dabei ist der Qualifizierungsbedarf bei den Kurzarbeitern erheblich. Ingenieure, Techniker und Forscher sind bisher relativ selten von Kurzarbeit betroffen, dafür viele Montagearbeiter, aber auch Metallfacharbeiter, Einzelhandels- und Logistikpersonal, neuerdings auch Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen. Da bereits heute abzusehen ist, dass viele von ihnen auch in einem evtl. 2011 ff zu erwartenden Aufschwung nicht auf ihre alten Arbeitsplätze in der Auto- und Zulieferinndustrie, im Maschinenbau, auf den Werften und im Handel usw. zurückkehren werden, handelt es sich bei der “Kurzarbeit ohne Qualifizierung” um eine extrem teure Zwischenlösung, die viel zu früh als die dieses Mal klügere - weil späteren Fachkräftemangel vermeidende - Form der Krisenüberbrückung bejubelt worden ist. (Tatsächlich geht es wohl hauptsächlich darum, Abfindungen zu sparen, die dann doch irgendwann fällig werden.)

Viele dieser Kurzarbeiter von heute werden in 2010/11 ALG-II-Empfänger sein. Damit wird auch die ARGE ein anderes Gesicht als bisher erhalten: Sie wird verstärkt “Normalarbeitnehmer” vermitteln müssen. Ihre organisatorische Konsolidierung und die Weiterentwicklung ihrer Beratungsmethodik und der Qualifizierungsinstrumente ist daher von großer Bedeutung.

Sofern Zeitarbeitnehmer von den Unternehmen als erste bereits gekündigt worden sind, werden sie möglicherweise besser vorbereitet auf die neue Situation sein und eher wieder eingegliedert werden als die noch kurzarbeitenden Stammarbeitnehmer. Von Juli bis Dezember 2008 reduzierte sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer nach Angaben des Bundesverbandes Zitarbeit (BZA) von 821.000 auf 657.000 – ein Rückgang um 20 Prozent, der sich bis März 2009 fortgesetzt haben dürfte.Experten vermuten, dass die Zeitarbeitsfirmen die Hauptnutznießer des Aufschwungs ab 2010 oder 2011 werden. Enkerts, Präsident des BZA , nimmt an (in: www.wiwo.de, 27.2.09), dass trotz des akuten Einbruchs der Beschäftigtenzahlen die Zeitarbeit in Deutschland „bis 2010 die Millionengrenze knacken“ werde. Der Zeitarbeiteranteil an den Erwerbstätigen, prognostiziert der Hamburger Unternehmer, werde sich von jetzt 1,6 Prozent bis 2015 verdoppeln. Deutschland hat Nachholbedarf. In Großbritannien etwa liegt der Anteil der Zeitarbeiter an den Erwerbstätigen fast dreimal so hoch, bei fünf Prozent.

Die Betriebe allerdings stöhnen jetzt schon, wenn sie die Fragebogen der BA zur Beantragung von Weiterbildungsmaßnahmen in der Kurzarbeit vorgelegt bekommen. Sie haben schon eine Menge zu tun mit der Berechnung des Kurzarbeitergeldes. Durch die ESF-Kofinanzierung ist die Berechnung der Förderbeiträge der BA zur Weiterbildung sehr kompliziert. Die Höhe liegt zwischen 25 und 80 Prozent der übernahmefähigen Kosten und richtet sich nach Art der Qualifizierung, der Betriebsgröße und der Person der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers. Die PersonalTransfer GmbH in Berlin (www.personaltransfer-gmbh.de) hat einen Leitfaden zur Klärung der für Qualfizierung bei Kurzarbeit  (www.qualifizierung-in-kurzarbeit.de)  relevanten Fragestellungen entwickelt, auf den wir hier ausdrücklich verweisen.

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