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Netzwerke schützen Firmen vor der Krise

April 21st, 2009 · Keine Kommentare

19. April 2009  Von J. Schulte am Hülse in der Berliner Morgenpost
Hektisch stolpert ein junger Mann mit einem Mikrofon durch den Vortragssaal im Souterrain des Ludwig-Erhard-Hauses. Senat und die IHK haben zum Thema “Berlin trotzt der Krise” geladen, um über das Thema Konjunkturpaket II und seine Effekte auf die Berliner Wirtschaft zu diskutieren.Etwa 150 Zuhörer sind gekommen, auf dem Podium vor ihnen: Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), IHK-Präsident Eric Schweitzer, Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz und Karl Diller, parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium.
“Ungewöhnliche Zeiten brauchen neue und ungewöhnliche Zusammensetzungen”, sagt Eric Schweitzer einleitend. Es klingt wie eine Binsenweisheit, gibt aber die Richtung an, aus der sich viele Unternehmer und Selbstständige in der jetzigen Krise Unterstützung erwarten: von Zusammenkünften, Informationsaustausch, Netzwerken und Kontakten. Neu ist die Erkenntnis nicht. Aber sie hat in Berlin Konjunktur wie selten zuvor.
So verzeichnet die im Ludwig-Erhard-Haus untergebrachte Vereinigung “Berlin Partner” einen regelrechten Ansturm auf ihre Veranstaltungen. Einmal pro Monat lädt “Berlin Partner” - ein Zusammenschluss von rund 160 Berliner Unternehmen - zu einem sogenannten Jour fixe ein, bei dem über aktuelle Themen diskutiert und auch so mancher Geschäftsabschluss auf den Weg gebracht wird. Unternehmer, Geschäftsführer und Manager, sagt “Berlin Partner”-Sprecher Christoph Lang, nutzten den Jour fixe in “wachsendem Maß”.
Auch Selbstständige haben Networking als Weg erkannt, um wegbrechende Aufträge auszugleichen oder einfach nur Informationen zu anderen Branchen zu erhalten. Ein Berliner, der dazu kürzlich ein neues Netzwerk ins Leben rief, ist Alexander Wolf. Er gründete den “DeutschlandClub”. Jeden Mittwoch von neun bis zehn Uhr versammeln sich die Mitglieder im Büro von Wolf an der Fasanenstraße. Nach nur ein paar Wochen zählt der Klub schon um die 45 Mitglieder.
Was können Netzwerke in Krisenzeiten leisten? Zwar sei es unsinnig, erst in der Krise ein Netzwerk zu gründen, sagt “Berlin Partner”-Sprecher Lang. Aber es sei klar zu beobachten, dass all jene Betriebe “krisenfester” seien, die schon vorher gut vernetzt gewesen seien. Lang muss es wissen, denn stärker als er sind wohl nur wenige in Berlin vernetzt. Es ist nicht nur der Anspruch von “Berlin Partner”, das “Netzwerk der Netzwerke” in Berlins Wirtschaft zu sein, sondern ein Stück weit ist es auch so. Ob bei Förderanträgen, Kontakten, der Akquise von Unternehmen für Berlin oder die Anbahnung neuer Geschäftsfelder: “Berlin Partner” ist fast immer dabei.
Nicht nur in Industrie und Handel werden die Bande enger geknüpft, auch in Berlins Kreativwirtschaft. In diesem Jahr konnte der Designerzusammenschluss “Create Berlin” die Mitgliederzahl verdoppeln. “Damit sind die Designer in der Stadt besser vernetzt als je zuvor”, sagt Ares Kalandides, Vorsitzender des Netzwerks.
Aber wer in die alteingesessenen Netzwerke und Klubs einsteigen will, braucht nicht nur Geld und Geduld, sondern auch Fürsprecher. Der “Berlin Capital Club” etwa, der im Dachgeschoss des “Hilton” am Gendarmenmarkt residiert, gehört dem weltweiten Netzwerk der “International Associate Clubs” an. Zu seinen Mitgliedern gehören Unternehmer und Politiker. Da werden schon einmal Geschäftsbeziehungen zwischen Berlin und Moskau angebahnt. Alexander Wolf hält solche Klubs nicht für optimal. “Die bisherigen Businessklubs sind meist in einer Zeit gewachsen, als es uns besser ging, und deshalb für die aktuelle Lage ungeeignet”, sagt er.
Die Nachfrage nach neuen Kontakten und entsprechenden Plattformen ist enorm gestiegen, sagt Sylvia Hartung, die das Internetportal “Berliner Netzwerke” gründete. Damit der Eintritt jedoch lohne, müsse man schon “etwas reingeben und aktiv mitarbeiten, bevor man das Vertrauen erlangen und dementsprechend Tipps und Aufträge generieren” könne. Der Markt sei unübersichtlich, und es brauche “häufig mehrere Anläufe, bis man das richtige Netzwerk findet”. Dass die Auswahl schwerfallen kann, zeigt ein Blick auf das Internetportal. Allein 400 Angebote aus Berlin und Brandenburg präsentieren sich dort. Die Mitgliedschaft kann dabei schon mal ein paar Hundert Euro kosten.
Eine, die weiß, wie sehr Netzwerke auch Jung- und Kleinunternehmern helfen können, ist Dorothee Stöbe. Vor 15 Jahren gründete sie mit anderen die IG Friedrichstraße, eine Interessengemeinschaft der Anrainer, die sich den Ausbau der Straße zu einer Einzelhandelsmeile zum Ziel setzten. Um Kontakte anzubahnen, bereitet Stöbe derzeit mit ihrem Geschäftspartner den “Brand Campus” vor. Das Internetforum soll es Kunden ermöglichen, branchenübergreifende Kontakte aufzubauen.
Das Portal “Berlin trotzt der Krise”, das die IHK-Oberen passend zu ihrer Veranstaltung gründeten, lockt dagegen nicht gleich mit einem Versprechen auf Kontakte. Vielmehr soll es Unternehmern helfen, Antworten auf einfache Fragen zu finden: etwa, wie bei Kurzarbeit Anträge auf Geld gestellt werden.

Tags: Aktuelles zum Thema

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