Die Welt online Von Martin Kopp 14. April 2009,
Qualifizierungsangebote werden ausgeweitet - Vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Jobverlust - Sofortprogramm für Jugendliche
Die Hamburger Wirtschaftsbehörde verstärkt angesichts der ökonomischen Krise ihre arbeitsmarktpolitischen Bemühungen. Wie die WELT erfuhr, wird derzeit eine Reihe von Maßnahmen vorbereitet und mit der Bundesagentur für Arbeit abgestimmt, die noch im Sommer und Herbst greifen sollen. Grund ist die ausbleibende Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt, die im März zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen geführt hat.
Schwerpunkt des neuen Programms wird die Qualifizierung sein. So sollen die Weiterbildungsplätze bei den rund 9800 Arbeitsgelegenheiten (ehemals Ein-Euro-Jobs) in der Hansestadt von 1500 auf 3000 ausgeweitet werden. Die Mehrkosten von 500 Euro pro Person wird die Arbeitsgemeinschaft Team Arbeit Hamburg übernehmen, die vor allem Hartz-IV-Empfänger betreut.
Auch das sogenannte 500er Programm, mit dem die Wirtschaftsbehörde 500 Arbeitslosen die Chance gibt, sich in neue Produktionstechniken einzuarbeiten, wird ausgebaut: Künftig sollen auch Menschen, die noch in fester Anstellung sind, bei denen sich die Arbeitslosigkeit aber abzeichnet, gefördert werden, damit sie ihren Job behalten. Dieses kann bei Facharbeitern beispielsweise die Qualifizierung zu neuen, höherwertigen Produktionsabläufen beinhalten oder die Weiterbildung zum Gabelstaplerfahrer.
Bis zu 3000 Euro stellt die Wirtschaftsbehörde für jeden Fall in Aussicht. Insgesamt stehen bis zu drei Millionen Euro bereit. “Die Wirtschaftsbehörde baut angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage ihre Unterstützung für die Bundesagentur für Arbeit aus”, sagte Wirtschaftssenator Axel Gedaschko. Die umfangreiche Erweiterung der Qualifizierungsangebote für von Kurzarbeit betroffenen und von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen sei Teil der Konjunkturoffensive Hamburgs.
“Diese Zeit sollte jeder für sich persönlich nutzen, um sich auf den Aufschwung vorzubereiten.” Das gelte auch für Unternehmen, sagte der CDU-Politiker. “Wir bieten Unternehmen Unterstützung und Begleitung an, falls die Umsetzung der Qualifizierungsangebote Schwierigkeiten bereitet.” Weiteres Geld gibt es zur Aufstockung des Jugendsofortprogramms. Dieses wurde ins Leben gerufen, um Jugendlichen, die keinen regulären Ausbildungsplatz bekommen haben, dennoch eine dreijährige duale Ausbildung über einen Beschäftigungsträger zu ermöglichen. 1000 Plätze wurden eingerichtet, von denen die ersten in diesem Jahr regulär auslaufen würden. Diese werden jetzt wieder aufgefüllt.
Aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und der Wirtschaftsbehörde soll zudem ein Vermittlungsberater für beschäftigungslose Bankmitarbeiter eingerichtet werden. Die Behördenleitung geht nämlich davon aus, dass ab Sommer im Finanzsektor größere Entlassungen anstehen. Nicht zuletzt die HSH Nordbank hat eine Reduzierung ihres Personals um 1100 Stellen angekündigt. Der Berater soll den Betroffenen helfen, schnell wieder in den ersten Arbeitsmarkt zurückzufinden. Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, rechnet unterdessen mit “beträchtlichen” Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den deutschen Arbeitsmarkt. Straubhaar sagte am Wochenende, im Winterhalbjahr 2009/2010 sei ein Anstieg der Arbeitslosenzahl auf rund vier Millionen zu erwarten. Der Wirtschaftsprofessor betonte, es sei möglich, dass die Weltwirtschaft im Laufe der zweiten Jahreshälfte wieder in Schwung komme. In diesem Fall müsse die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland 2010 nicht stark über die Vier-Millionen-Marke steigen.
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