Leipziger Internet Zeitung vom 21.05.2009
„Trotz der positiven Aspekte, die die Kurzarbeiterregelung mit sich bringt, bewerten wir die heute vom Bundeskabinett beschlossene Verlängerung auf 24 Monate kritisch“, sagte gestern, nach Bekanntwerden der Entscheidung, Wolfgang Topf, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig.
„Auf diese Weise werden notwendige Strukturanpassungen hinausgezögert und auch negative Auswirkungen auf die Innovationsdynamik sind zu erwarten. Durch die Verlängerung der Kurzarbeiterregelung besteht die Gefahr, dass das Fachkräfteangebot künstlich verknappt wird. Denn auf Grund der Kurzarbeit arbeiten die Fachkräfte in einigen Unternehmen unfreiwillig weniger, während andere Unternehmen derzeit händeringend Fachkräfte genau dieser Qualifikationen suchen. Zu lange gewährte Kurzarbeit kann den nächsten Aufschwung bremsen.“
Da die Anspruchsdauer von 18 Monaten in Unternehmen, die im Herbst 2008 als erste krisenbedingt Kurzarbeit angezeigt haben, noch bis Anfang 2010 reicht, besteht kein akuter Handlungsbedarf für die Verlängerung.
Die IHK zu Leipzig begrüßt hingegen die gestern ebenfalls im Bundeskabinett getroffene Entscheidung, Unternehmen nach sechs Monaten Kurzarbeit von den entsprechenden Sozialversicherungsbeiträgen zu befreien. Dies trüge zur weiteren Stabilisierung der Wirtschaft bei.
Kurzarbeit habe sich in der gegenwärtigen Krise auch im Kammerbezirk Leipzig als wirksames Mittel zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes erwiesen. Laut einer Umfrage der IHK zu Leipzig vom April 2009, an der sich 352 Unternehmen aus dem Kammerbezirk beteiligten, haben bisher knapp 14 Prozent dieser Unternehmen aus der gewerblichen Wirtschaft Kurzarbeit angezeigt. Weitere 5 Prozent hielten es für sehr wahrscheinlich, dass sie die Regelung demnächst in Anspruch nehmen.
Am stärksten werde Kurzarbeit von Industrieunternehmen genutzt. Mehr als jedes vierte Unternehmen habe hier bereits Kurzarbeit gemeldet. Die Hälfte der Industrieunternehmen gab an, dass sie die Zeit der Kurzarbeit für die Qualifizierung ihrer Belegschaften nutzen. Am geringsten sei der Anteil der von Kurzarbeit betroffenen Unternehmen im Handel. Das Umfrageergebnis zeige: Die Unternehmen im Kammerbezirk sind bemüht, ihre Stammbelegschaften zu halten, um aus der Krise gestärkt hervorzugehen.
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